Stellungnahme DSV

Geplante Stundenkürzung im Fach Spanisch im E-Jahrgang der Oberstufe in Schleswig-Holstein

Ab dem Schuljahr 2026/27 sind für den E-Jahrgang der Oberstufe in Schleswig-Holstein Stundenkürzungen geplant: So soll auch Spanisch als weitergeführte Fremdsprache künftig nur noch zweistündig angeboten werden, statt wie bisher dreistündig. Das Fach Französisch bleibt als einzige zweite Fremdsprache -geschützt durch das bestehende deutsch-französische Abkommen- von den geplanten Kürzungen ausgenommen. Der Vorstand des Spanischlehrkräfteverbandes hat zu den geplanten Kürzungen eine Stellungnahme verfasst, in der u.a. auf die möglichen Folgen für die Zukunft des Fachs Spanisch und Probleme hinsichtlich der Erfüllbarkeit der bestehenden curricularen Vorgaben hingewiesen wird. Der Landesvorstand des DSV Schleswig-Holstein vertritt so die Interessen seiner Mitglieder umfassend und nachdrücklich gegenüber dem Bildungsministerium.

Stellungnahme des DSV-SH:

An das Bildungsministerium des Landes Schleswig- Holstein

betrifft: Stellungnahme des Deutschen Spanischlehrkräfteverbands zu den geplanten Stundenkürzungen im E- Jahrgang

Sehr geehrter Herr C.

im Namen des Deutschen Spanischlehrkräfteverbandes Schleswig-Holstein (DSV S-H) wende ich mich als Vorsitzende heute mit einer Stellungnahme des Verbandes an Sie anlässlich der für das Fach Spanisch geplanten Stundenkürzungen im E- Jahrgang von 3 auf 2.

Der DSV als Sprecher der Interessen der Spanischlehrkräfte des Landes spricht sich deutlich gegen die geplante Kürzungsmaßnahme aus, da sie bei näherer Betrachtung eine große Gefahr für unser Fach insgesamt darstellen würde.

Mit der Stellungnahme der Zentralen Abiturkommission Spanisch hat Sie bereits eine umfängliche Argumentationszusammenstellung erreicht, der wir uns inhaltlich anschließen. Die in einem verständlichen Sparzwang begründete Kürzung zeitigt jedoch Folgen, die zu den zu erwartenden Einsparungen in keinem Verhältnis stehen. Hier muss von Seiten des Ministeriums noch einmal genau hingeschaut und gründlich abgewogen werden, wo man die „Axt ansetzen“ kann und wo nicht.

Der DSV sieht folgende Aspekte besonders kritisch:

Trotz aller gängiger Praxis wird von dem vom Ministerium  zuvor stets vertretenden Prinzip der Gleichbehandlung der Fächer Spanisch und Französisch abgewichen.

So musste Spanisch bisher die am IQB beschlossenen Aufgabenformate und Anforderungen für Französisch stets mit umsetzen, obwohl das Fach am IQB gar nicht vertreten ist. Das wird dann in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Bei der Weiterführung der kombinierten Spanischkurse nach E in Q1 und Q2, bei denen  Schülerinnen und Schülern (SuS) auf Kernfachniveau mit anderen SuS des „grundständigen“ Niveaus meist weiter zusammenarbeiten, können weder die SuS noch die Kolleginnen und Kollegen die Diskrepanz im Lernfortschritt, die sich aus der 3- Stündigkeit im Vergleich zu 2-Stündigkeit ergibt,  überbrücken. Das von den Fachanforderungen geforderte Niveau ist mit der Kürzung nicht mehr zu erreichen. Zudem sehen auch wir die Gefahr, dass Spanischkurse dann nicht mehr zustande kommen, auch da SuS sich der Möglichkeiten des erfolgreichen Lernens beraubt sehen.  Dies widerspricht im Vergleich mit Französisch massiv der Chancengleichheit und ist auch der Elternschaft (den Wählerinnen und Wählern) und der Schülerschaft (den zukünftigen Wählerinnen und Wählern) nicht vermittelbar.

Die Kolleginnen und Kollegen, die das Fach Spanisch belegen, sahen sich in den letzten Jahren aufgrund der Oberstufenreform bereits mit der Problematik konfrontiert, dass die Zahl derjenigen, die Spanisch überhaupt belegen konnten, signifikant abnahm. Da die SuS im Sprachprofil nur noch eine weitere Fremdsprache belegen können, ist die Zahl der Spanischlernenden und der Spanischkurse insgesamt gesunken. An einigen Schulen führt das dazu, dass die Schulleitungen Schwierigkeiten haben, die Fachkolleginnen und -kollegen einzusetzen. Schleswig-Holstein kann es sich nicht leisten zu riskieren, dass dann unzufriedene qualifizierte Fachkräfte, die das Land ja selbst ausgebildet hat, in benachbarte Bundesländer abwandern.

Von Seiten der Schülerschaft gilt zu bedenken, dass Spanisch eine sehr beliebte Sprache ist und viele SuS sie gerne lernen würden. Spanisch hebt sich hier deutlich von anderen Fremdsprachen wie Russisch oder Dänisch ab. Als Spanischlehrkräfteverband kritisieren wir, dass die Neuregelung das Angebot für sprachaffine Schülerinnen und Schüler hier unnötig einschränkt.

Fremdsprachen sind in unserer vernetzten Welt ein Schlüssel zum „Anderen“. Wenn wir den europäischen Gedanken weiter beleben wollen, kommen wir auch im Bildungsbereich nicht umhin Ressourcen dorthin zu lenken, wo dieser Gedanke befruchtet wird. Die modernen Fremdsprachen leisten einen unschätzbaren Betrag dazu, jungen Menschen Welten zu eröffnen und ihnen die Perspektive der Anderen zu vermitteln. Fremdsprachenunterricht leistet hier einen wichtigen Betrag zur Demokratieerziehung und zum interkulturellen Dialog, da wir dort genuin wertschätzend über den Tellerrand blicken. Spanisch steht von der Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher an dritter Stelle weltweit. Die Beziehungen zu den spanischsprachigen Ländern werden in Zukunft angesichts der globalen Entwicklungen noch wichtiger werden als bisher. Sprachkenntnisse eröffnen hier auch in wirtschaftlicher Hinsicht Wege.

Kürzungen an falscher Stelle werden weitreichende negative Konsequenzen haben, zerschlagene Strukturen wieder aufzubauen, gelingt oft nicht.

Wir bitten Sie alles dafür zu tun, dass das wichtige Fach Spanisch seiner Bedeutung entsprechend nicht geschwächt, sondern gleich behandelt wird wie Französisch.

Frauke Drewitz, Vorsitz DSV-SH

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